Venture Capital: Was es bedeutet und was zu tun ist, wenn ein Unternehmen die Startup-Phase verlässt

Filip Drazdou
Veröffentlicht am 2. Januar 2025 · 10 Minuten Lesezeit Auf LinkedIn vernetzen

Venture Capital ist heute eine der bekanntesten Finanzierungsformen für innovative Unternehmen. Lange Zeit entwickelte sich dieses Modell vor allem im Silicon Valley, doch seit einigen Jahren gewinnen Venture-Capital-Fonds auch in Polen an Bedeutung. Immer mehr junge Unternehmen greifen zu Risikokapital, weil sie darin nicht nur den Zugang zu Finanzmitteln sehen, sondern auch die Chance, auf einen schnellen Wachstumskurs einzuschwenken.

Venture-Capital-Fonds konzentrieren sich zwar auf junge Unternehmen, haben aber hohe Erwartungen an deren Wachstumsrate, Organisationsstruktur und langfristiges Potenzial. Dieser Artikel erklärt, was Venture Capital in der Praxis bedeutet, wie ein Venture-Capital-Fonds funktioniert, wann es sinnvoll ist, VC-Kapital aufzunehmen, und wann es besser ist, nach Alternativen zu suchen.

Inhaltsverzeichnis

  1. Venture-Capital-Fonds: Was sind sie, und wie funktionieren sie?
  2. Was bringt ein VC-Fonds in ein Unternehmen ein, und was erwartet er?
  3. Wie läuft der Investitionsprozess ab, vom Pitch bis zur Vertragsunterzeichnung?
  4. Das Venture-Capital-Ökosystem in Polen
  5. Wie Aventis Advisors Unternehmen nach einer VC-Finanzierung unterstützt

Venture-Capital-Fonds, was sind sie und wie funktionieren sie?

Venture Capital ist eine Investitionsform, bei der Unternehmen in einer frühen Entwicklungsphase Kapital erhalten: Unternehmen, die ein neues Produkt oder eine neue Dienstleistung entwickeln wollen und großes Wachstumspotenzial haben, aber oft noch keine stabilen Umsätze und keine Kredithistorie vorweisen können. VC-Investoren übernehmen Anteile als Gegenleistung für das Risiko, das sie eingehen, und begleiten die Entwicklung des Unternehmens aktiv, in der Erwartung einer Rendite in den Folgejahren. Der Venture-Capital-Fonds liefert dabei das Kapital, das für das Wachstum solcher Unternehmen entscheidend ist.

Venture-Capital-Fonds spielen eine wichtige Rolle bei der Finanzierung dynamisch wachsender Unternehmen aus dem KMU-Sektor. Auf Wertsteigerung ausgerichtete Investoren fördern gerne innovative Vorhaben, weil sie in jungen Unternehmen Skalierungspotenzial erkennen. VC ist dabei nicht nur eine Kapitalquelle, sondern auch fachliche Begleitung, die für die weitere Entwicklung des Geschäfts entscheidend sein kann.

Struktur eines VC-Fonds

Ähnlich wie Private-Equity-Fonds werden VC-Fonds von einem Team sogenannter General Partners (GPs), die das ihnen anvertraute Kapital von Limited Partners (LPs)verwalten und investieren. Zu den LPs zählen unter anderem Business Angels, Family Offices, Dachfonds und Finanzinstitute. Auch verschiedene Akteure wie öffentliche Institutionen (etwa PARP oder PFR Ventures) und ausländische Investoren spielen eine Schlüsselrolle bei der Finanzierung von Venture-Capital-Fonds in Polen und unterstützen so junge Unternehmen auf der Suche nach Wachstumskapital.

GPs sind zuständig für:

  • die Auswahl der Portfoliounternehmen,
  • die Durchführung der Due Diligence,
  • die Verhandlung der Konditionen des Investitionsvertrags,
  • aktive Eigentümeraufsicht und fachliche Unterstützung.

Die Funktionslogik eines VC-Fonds

Ein VC-Fonds arbeitet üblicherweise mit einem Zeithorizont von 7-10 Jahren und baut ein Portfolio aus einem bis mehreren Dutzend Investments in Startups in einer frühen Entwicklungsphase auf. Nur ein Teil davon wird eine echte Rendite bringen. Umso wichtiger ist die Wahl eines Investors, dessen Wachstumsvision zu der des Gründerteams passt. Passen beide nicht zueinander, kann das ein erhebliches Risiko für die weitere Entwicklung des Unternehmens sein.

Investoren achten besonders auf einige Schlüsselfaktoren, die darüber entscheiden, wie Venture-Capital-Investoren ein Unternehmen bewerten. Dazu zählen das Team, die Branche und das Geschäftsmodell, was zeigt, wie viel jeder dieser Faktoren für den Investitionsprozess wiegt.

Genau deshalb konzentrieren sich Venture-Investments auf Unternehmen, die das Potenzial haben, ihren Wert zu vervielfachen, und die einen Börsengang, einen Verkauf an einen größeren Marktteilnehmer oder eine Übernahme durch einen PE-Fonds ermöglichen.

Was bringt ein VC-Fonds in ein Unternehmen ein, und was erwartet er?

Venture-Capital-Fonds bieten weit mehr als nur Finanzmittel. Sie stellen Risikokapital bereit, häufig ohne Sicherheiten, doch ihr größter Wert liegt darin, was jenseits der Bilanz geschieht.

Ein typischer Fonds bringt Know-how aus anderen Projekten mit. Er hilft dabei, die Preisstrategie, den Vertrieb und das operative Modell zu entwickeln. Häufig unterstützt er auch bei der Gewinnung von Schlüsselkräften und beim Aufbau des Managementteams.

VC verschafft Zugang zu einem Netzwerk: zu weiteren Investoren, Technologiepartnern und Kunden. Der richtige Fonds kann die Glaubwürdigkeit eines Unternehmens am Markt erheblich stärken. Andererseits bedeutet ein externer Investor auch mehr Druck auf die Ergebnisse sowie die Pflicht, zu berichten und die Erwartungen an das Wachstumstempo zu erfüllen.

Im Gegenzug für Kapital und operative Begleitung erwarten Fonds vor allem, dass das Geschäft rasch skaliert, und eine klare Exit-Strategie, etwa den Verkauf von Anteilen an einen größeren Investor oder einen Private-Equity-Fonds oder einen Börsengang. Das Potenzial eines Vorhabens bemisst sich nicht nur am Geschäftsmodell, sondern auch an den Besonderheiten der Branche und den Wachstumschancen.

Häufig übernehmen Fonds einen Sitz im Aufsichtsrat. Sie erwarten regelmäßige Berichte und das Erreichen der KPIs und nehmen Einfluss auf zentrale strategische Entscheidungen. Für viele Gründer heißt das: der Übergang von der eigenständigen Führung zur Unternehmensführung unter der Aufsicht eines Investors. Ein Fonds kann die weiteren Investitionsgespräche auch abbrechen, wenn Zweifel an der Reife des Unternehmens oder an den Kompetenzen des Teams aufkommen.

Vor- und Nachteile von Venture Capital für Unternehmer

Venture Capital kann ein Wachstumskatalysator sein, bringt aber nicht jedem Unternehmen und nicht in jeder Phase echten Nutzen.

Zu den größten Vorteilen von VC gehört schneller Zugang zu Kapital, der es erlaubt, Produkt, Team und Vertrieb weiterzuentwickeln, ohne auf einen Kredit oder Sicherheiten angewiesen zu sein. Ein Fonds bringt zudem fachliche Begleitung, Investmenterfahrung und ein Netzwerk mit: zu möglichen Partnern, Kunden und weiteren Investoren. Für viele Unternehmen ist es außerdem die Chance, Teil eines größeren Ökosystems zu werden und die eigene Glaubwürdigkeit am Markt zu steigern. Ein zentraler Baustein der Vorbereitung auf eine solche Unterstützung ist ein solider Businessplan, der die Investoren vom Potenzial des Vorhabens überzeugt.

Andererseits sind die Nachteile von Venture Capital real. VC-Investoren erwarten Wachstum innerhalb eines bestimmten Zeithorizonts, doch nicht jedes Unternehmen wächst in dem Tempo, das sie voraussetzen. Der Druck auf eine schnelle Rendite, die häufige Berichterstattung, die Pflicht, zentrale Entscheidungen abzustimmen: Das sind Herausforderungen, denen sich jeder Gründer stellen muss. Die erwartete Rendite entsteht sowohl aus dem Erfolg der Unternehmen, in die investiert wurde, als auch aus dem langfristigen Wertzuwachs der gehaltenen Anteile oder Aktien.

Das größte Risiko ist oft eine Fehlanpassung: ein Fonds mit einer anderen Kultur, anderen Zielen oder einem zu aggressiven Ansatz kann die Entwicklung eines Unternehmens eher bremsen als voranbringen.

Die Entscheidung für die Zusammenarbeit mit einem VC-Fonds sollte deshalb bewusst fallen, nicht nur mit Blick auf die Bedingungen der Runde, sondern auch auf den Mehrwert, den der Investor einbringt.

Die Nachteile? Druck auf schnelles Wachstum, der mögliche Verlust an Kontrolle, die Pflicht, Entscheidungen abzustimmen, und die Erwartung eines bestimmten Wachstumstempos: Nicht jedes Unternehmen ist dafür bereit. Deshalb sollten sich Investor und Gründer vergewissern, dass sie eine gemeinsame Vision und gegenseitiges Vertrauen teilen.

Wie läuft der Investitionsprozess ab, vom Pitch bis zur Vertragsunterzeichnung?

Erstkontakt und Unternehmenspräsentation

Der Prozess der Kapitalbeschaffung bei einem VC-Fonds beginnt in der Regel mit einer Präsentation. Der Kontakt kann über die Empfehlung eines Beraters, den Hinweis eines anderen Gründers oder eine sogenannte Cold Outreach zustande kommen.

Das wichtigste Element ist das Pitch Deck: eine kurze Präsentation, die Geschäftsmodell, Team, Markt, Traction und Wachstumsplan verständlich darstellt. Venture-Capital-Fonds sichten Dutzende Präsentationen pro Woche, deshalb kommt es auf eine klare Botschaft und eine gut strukturierte Argumentation an. Fällt die erste Reaktion auf die Eckdaten des Geschäfts positiv aus, verlangen Investoren häufig detailliertere Angaben, die für die Investitionsentscheidung ausschlaggebend sind.

Vorläufige Analyse und Investoreninteresse

Weckt die Präsentation Interesse, fordert der Fonds detaillierte Angaben an: Finanzdaten, Umsatzstruktur, Unit Economics, Expansionspläne. Je besser ein Unternehmen diese Daten aufbereitet hat, desto größer ist die Chance, in die nächste Phase zu gelangen. Der Zugang zu Business Angels kann in späteren Entwicklungsphasen von Vorteil sein und sowohl finanzielle als auch fachliche Unterstützung bringen.

Due Diligence: die Prüfung vor der Entscheidung

Der nächste Schritt ist die due diligence, eine gründliche Analyse des Unternehmens. Der Fonds prüft die rechtlichen Unterlagen, die Finanzen, steuerliche Risiken, den Markt, das Team und die Technologie. In dieser Phase ist Transparenz wichtig, vor allem im Verhältnis zu den übrigen Gesellschaftern. Erwähnenswert ist außerdem, dass Venture-Capital-Fonds häufig Kapital für Vorhaben mit erhöhtem Risiko bereitstellen, ohne zusätzliche Sicherheiten zu verlangen, was für junge Unternehmen von Vorteil sein kann.

Eine gute Vorbereitung auf die due diligence kann den gesamten Prozess deutlich verkürzen und Vertrauen zwischen den Parteien schaffen.

Investitionsvertrag und Transaktionsbedingungen

Nach einer positiven Analyse legt der Investor ein Term Sheet , einen Investitionsvorschlag, vor. Es enthält unter anderem die Unternehmensbewertung, die Anteils- oder Aktienstruktur, Bestimmungen zu den Gesellschafterrechten sowie den geplanten Exit (also den Verkauf der Anteile nach einer bestimmten Zeit).

Dies ist der Moment für Verhandlungen, sowohl inhaltlicher als auch prozeduraler Natur.

Closing und Einstieg des Investors

Sind die Details geklärt, folgen die Unterzeichnung der Dokumente und die Überweisung der Mittel. Der Fonds übernimmt ein Anteilspaket im Gegenzug für das investierte Kapital, und für das Unternehmen beginnt eine neue Entwicklungsphase: Ein externer Investor kommt an Bord, in der Regel ohne dass zusätzliche Sicherheiten gestellt werden müssen.

Das Venture-Capital-Ökosystem in Polen

Der VC-Fondsmarkt in Polen

Venture-Capital-Fonds gewinnen in Polen an Bedeutung. Dank öffentlicher Förderung (etwa durch PFR Ventures) und dem Zufluss ausländischer Investoren entwickelt sich der Markt dynamisch, sowohl bei der Zahl der aktiven Akteure als auch beim Investitionsvolumen.

Immer mehr spezialisierte Venture-Capital-Fonds konzentrieren sich auf bestimmte Branchen: SaaS, Marktplätze, Deep Tech oder E-Commerce. Auch Unternehmen aus dem KMU-Sektor nutzen diese Finanzierungsform zunehmend, nicht nur wegen des Zugangs zu Kapital, sondern auch wegen der strategischen Begleitung und des Netzwerks, das die Fonds in die Zusammenarbeit einbringen. Das VC-Ökosystem wächst nicht nur in Warschau: Auch in Krakau, Posen, der Dreistadt und Breslau ist zunehmend Aktivität zu beobachten.

Die aktivsten Fonds

Zu den aktivsten Venture-Capital-Fonds in Polen zählen u. a.:

Karte des polnischen Venture-Capital-Ökosystems: ausgewählte VC-Fonds, unterstützende Institutionen und Corporate Venture Capital. Quelle: Analyse von Aventis Advisors.

Jeder dieser Fonds verfolgt einen etwas anderen Ansatz: Manche engagieren sich in der Pre-Seed- und Seed-Phase, andere konzentrieren sich auf Series-A- oder Bridge-Runden. Der gemeinsame Nenner? Fachliche Begleitung und die Bereitschaft, weitere Entwicklungsphasen des Unternehmens zu finanzieren. Für kleine und mittlere Unternehmen zählen Venture-Capital-Fonds zu den wichtigsten Finanzierungsquellen auf ihrem Wachstumsweg.

Wie Aventis Advisors Unternehmen nach einer VC-Finanzierung unterstützt

Transaktionsberatung in einer späteren Entwicklungsphase

Nach einer Venture-Capital-Runde treten viele Unternehmen in eine Reifephase ein. Das Team wächst, die Umsätze stabilisieren sich, und die Gründer beginnen, über die nächsten Schritte nachzudenken, die oft über eine weitere VC-Runde hinausgehen.

Dies ist der Moment, in dem sich Optionen ergeben: partieller Exit, der Verkauf an einen strategischen Investor, der Einstieg in eine Partnerschaft mit einem Private-Equity-Fonds. Es lohnt sich auch, langfristige Strategien zu erwägen, die Kapitalbeteiligungen über einen längeren Zeitraum an vielversprechenden Unternehmen umfassen und so den möglichen Gewinn aus einem späteren Verkauf der Anteile erhöhen können.

Was bietet Aventis Advisors?

Bei Aventis Advisors sind wir auf M&A-Beratung spezialisiert, vor allem an der Schnittstelle von VC und PE, mit Schwerpunkt auf Eigentümertransaktionen im Technologiesektor. Wir arbeiten mit Unternehmen, die ein funktionierendes Geschäftsmodell und klares Wachstumspotenzial haben und anfangen, den Einstieg eines Finanz- oder strategischen Partners zu erwägen.

Aus der Perspektive der Unternehmensentwicklung helfen wir Gründern:

  • die Transaktionsreife des Unternehmens zu beurteilen,
  • die Dokumentation vorzubereiten und die Due Diligence,
  • das Interesse institutioneller Investoren zu gewinnen,
  • die Transaktionsstruktur zu gestalten und die Transaktion von A bis Z durchzuführen.

Unsere Erfahrung reicht in Situationen, in denen es nicht mehr nur um die Kapitalbeschaffung geht, sondern um die Wahl des richtigen Partners für die weiteren Entwicklungsphasen, sowohl mit Blick auf die Strategie als auch auf die Eigentümerkontrolle.

Filip Drazdou - Director, Aventis Advisors

Filip Drazdou

Director

Als Director bei Aventis Advisors begleite ich mit Leidenschaft Gründer und Investoren bei M&A-Transaktionen, mit besonderem Fokus auf den Technologiesektor. Dabei arbeite ich mit Technologieführern aus aller Welt zusammen. Ich trage zur Tech-Community bei, indem ich Inhalte über Bewertungen in SaaS, Software und IT-Services teile.

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