Zusammenfassung
- Ein Unternehmen per Bootstrapping aufzubauen bedeutet, Kapital aus den eigenen Ersparnissen sowie von Freunden und Familie zu beschaffen oder die eigene Bonität für eine Fremdfinanzierung zu nutzen.
- Zu den Vorteilen des Bootstrappings zählen ein geringeres Risiko, der Erhalt der Kontrolle und kein Druck von externen Investoren, während man im eigenen Tempo vorgeht.
- Nachteile des Bootstrappings können dagegen sein: weniger verfügbares Kapital für Investitionen, geringeres Potenzial für schnelles Skalieren und Schwierigkeiten im Wettbewerb mit hoch bewerteten Unternehmen.
- Bootstrapping ist sinnvoller, wenn man keine großen Risiken mit einem venture capital-Investor eingehen möchte, Zugang zu anderen Kapitalquellen hat und einen kleineren Markt ohne nennenswerte Anfangsinvestitionen bedient.
- Bootstrapping ist weniger sinnvoll, wenn man in einer stark umkämpften Branche mit gut finanzierten Wettbewerbern tätig ist und das Geschäftsmodell erhebliche Anfangsinvestitionen erfordert.
Was Bootstrapping bei einem Startup bedeutet
Beim Bootstrapping eines Startups finanziert man ein neues Vorhaben aus eigenen Ersparnissen, Darlehen von Freunden und Familie sowie anderen Formen privater Kapitaleinlagen. Der Vorteil: Gründer behalten das volle Eigentum und die volle Kontrolle über ihr Unternehmen. Die Nachteile liegen vor allem darin, überhaupt genug Kapital aufzubringen, um das Geschäft in Gang zu bringen. Hinzu kommt, dass Gründer oft lange arbeiten und sich mit wenig Lohn begnügen müssen, um über die Runden zu kommen.

Dennoch gilt Bootstrapping vielfach als wesentlicher Teil des Wegs, den ein Startup nimmt, und viele erfolgreiche Unternehmen sind auf diese Weise entstanden. Wer mit dem Gedanken spielt, ein eigenes Unternehmen zu gründen, sollte sich gründlich informieren und einen soliden Plan aufstellen, bevor er diesen Weg einschlägt. Ein Unternehmen aus eigener Kraft zu finanzieren kann ein hervorragender Start sein, ist aber durchaus anspruchsvoll.
Vor- und Nachteile des Bootstrappings

Vorteile des Bootstrappings
Einer der größten Vorteile des Bootstrappings ist, dass Sie sich keine Gedanken über die Verwässerung Ihres Anteils machen müssen. Nehmen Sie externe Investoren an Bord, geben Sie für deren Kapital in der Regel Anteile ab. Das kann Ihre Kontrolle über das Unternehmen aushöhlen (oft bis auf 20 bis 30 %) und es erschweren, Ihre langfristigen Ziele zu erreichen. Finanzieren Sie Ihr Unternehmen dagegen per Bootstrapping, können Sie 100 % des Eigentums behalten und die volle Kontrolle über Ihren eigenen Weg wahren. Das kann in der hart umkämpften Welt der Startups ein großer Vorteil sein. Es verschafft Ihnen zudem mehr Spielraum, Risiken einzugehen und neue Ideen auszuprobieren, weil Sie niemandem außer sich selbst Rechenschaft schuldig sind. Und Sie erzielen am Ende eine deutlich höhere Rendite wenn Sie sich dazu entscheiden Ihr Unternehmen zu verkaufen. Letztendlich hängt es von Ihren persönlichen Umständen und Zielen ab, ob Bootstrapping die richtige Wahl für Sie ist. Wenn Sie jedoch Ihre Kontrolle über das Unternehmen maximieren möchten, ist es definitiv eine Überlegung wert.
Wer sich fürs Bootstrapping entscheidet und seine Anteile hält, hat die Chance auf höhere Renditen und behalten die vollständige Kontrolle über Strategie und Wachstum des Unternehmens. Da VC-Fonds meist große Portfolios halten, müssen nur wenige ihrer Beteiligungen erfolgreich sein. Das verleitet sie dazu, Unternehmen in ein nicht nachhaltiges Wachstum zu treiben: externe Investoren drängen darauf, das Risiko zu erhöhen, das Sie tragen. Als alleiniger Gesellschafter Ihres Unternehmens umgehen Sie solche Interessenkonflikte mühelos und gehen genau die Risiken ein, die Sie für das Wachstum Ihres Startups für nötig halten.
Nachteile des Bootstrappings
Wenn Sie Kapital über eigene Ersparnisse und Netzwerke beschaffen, können Sie auf Probleme mit dem Cashflowstoßen. Anders als ein VC-Fonds verfügen Einzelpersonen selten über „unbegrenzte“ Mittel und ein weites Investorennetzwerk, aus dem laufend finanzielle Unterstützung fließt. Wie erwähnt drängen VC-Fonds Gründer oft zu Wachstum um jeden Preis, doch sie geben dem Unternehmen zugleich den nötigen Hebel und die Mittel an die Hand, um für das Wachstum Geld verbrennen zu können. Ein vollständig per Bootstrapping finanziertes Vorhaben kämpft dagegen mitunter mit unzureichenden Mitteln für die Expansion und mit dem Druck, schon in einer frühen Phase profitabel zu bleiben. Zwar lässt sich eine hohe Anfangsinvestition (etwa in F&E) grundsätzlich auch ohne externe Investoren stemmen, doch das gelingt nur selten und mit großer Mühe.
Im heutigen Startup-Umfeld ist ein vollständig per Bootstrapping finanziertes Unternehmen die Ausnahme. Die meisten erfolgreichen Gründer nehmen zumindest etwas Kapital von externen Investoren wie VCs an. Bedenken Sie: Sie werden mit anderen jungen Unternehmen konkurrieren, die frisches Kapital erhalten. Es kostet zweifellos viel Arbeit, sich mit einem per Bootstrapping finanzierten Unternehmen einen Vorsprung gegenüber konkurrierenden Startups zu erarbeiten.
Wann man bootstrappen sollte
Aus dem bisher Gesagten wird deutlich, dass die größten Nachteile des Bootstrappings mit den Anfangsinvestitionen zusammenhängen, die in vielen Branchen nötig sind. Sind Sie hingegen in einem Bereich tätig, in dem es möglich ist, vom ersten Tag der Gründung an profitabel zu sein , fahren Sie mit Bootstrapping womöglich besser. Dazu zählen etwa IT-Dienstleistungen und spezialisierte Nischensoftware.
Wenn Sie einen kleinen Marktbedienen wollen, brauchen Sie womöglich keinen zusätzlichen Hebel durch venture capital-Firmen. Sie können das volle Potenzial Ihres Unternehmens ausschöpfen, ohne Anteile abzugeben. Gelingt es, erhalten Sie am Ende ein größeres Stück eines kleineren Kuchens.
Wann man nicht bootstrappen sollte
Wenn das Unternehmen bereits mit dem Cashflow kämpft, gibt es meist bessere Wege als Bootstrapping. Denn in einem Bootstrapping-Modell fehlt Ihnen der Zugang zu externen Kapitalquellen, auf die man zurückgreifen könnte, um kurzfristige Ausgaben zu decken oder Liquiditätslücken zu überbrücken. Stattdessen sind Sie allein auf Ihre eigenen Mittel angewiesen, die sich rasch erschöpfen können, wenn Sie nicht achtgeben. Verspricht das Geschäftsmodell also keine rasche Profitabilität, ist es klüger, nach anderen Finanzierungswegen zu suchen, statt sich zum Erfolg bootstrappen zu wollen. Sonst graben Sie sich womöglich ein noch tieferes Loch, und das kann sich kein Unternehmen leisten.
Wenn Sie in einem Markt mit vielen Anbietern tätig sind, die ein konkurrierendes Produkt führen und sich nur über Vertrieb und Marketing unterscheiden, wird es schwer, mitzuhalten. Die Wettbewerber verkaufen ihr Produkt womöglich unter Selbstkosten und schreiben, dank des von Investoren eingesammelten Kapitals, über Jahre hinweg Verluste.
Erfolgsgeschichten
Mailchimp
Mailchimp gehört zu den beliebtesten E-Mail-Marketing-Plattformen unserer Zeit. Kein Wunder: Mailchimp ist einfach zu bedienen, bietet einen großen Funktionsumfang und ist sehr erschwinglich. Kaum bekannt ist jedoch, dass Mailchimp vollständig per Bootstrapping entstand, also ohne jegliches externe Investment gegründet wurde. In der Tech-Welt, in der VC-Finanzierung die Norm ist, ist das eine Seltenheit. Doch das Bootstrapping bedeutete, dass das Mailchimp-Team von Anfang an die volle Kontrolle über Produkt und Geschäft behielt. Und es zahlte sich aus: Mailchimp hat heute über 15 Millionen Kunden und erzielt jedes Jahr Milliardenumsätze. 2021 übernahm Intuit das Unternehmen zu einer Bewertung von rund 12 Mrd. USD. Da Mailchimp per Bootstrapping aufgebaut war, floss der weitaus größte Teil dieser Summe an die Gründer, in bar und in Anteilen. Ein glänzendes Geschäft war es nicht nur für die Gründer, sondern auch für die Belegschaft, die rund 300 Mio. USD an Boni erhielt.
Atlassian
Atlassian ist ein weltweit tätiges Softwareunternehmen, dessen Produkte und Dienste Teams helfen, wirksamer zusammenzuarbeiten. Gegründet wurde es 2002 von den beiden Studienfreunden Scott Farquhar und Mike Cannon-Brookes, die das Geschäft mit lediglich 10.000 USD von ihren Kreditkarten anschoben. Bis 2010 blieb Atlassian ein per Bootstrapping finanziertes Unternehmen und erreichte einen Umsatz von fast 100 Mio. USD. Erst dann nahm es in seiner ersten Runde eine VC-Finanzierung auf. Weil es bereits ein erfolgreiches Startup war, konnte es einen weit besseren Deal aushandeln, als es 2002 beim Gang zu externen Investoren möglich gewesen wäre. Stand November 2022 beschäftigt Atlassian über 8.800 Menschen in 50 Ländern und wird mit mehr als 35 Mrd. USD bewertet.
GoFundMe
Eine ungewöhnliche Form des Bootstrappings wählte GoFundMe, gegründet 2010 mit dem Ziel, Menschen in Not den Weg zu finanzieller Unterstützung durch Familie, Freunde und Bekannte zu ebnen. Anfangs half die Plattform vor allem bei medizinischen Kosten, deckt inzwischen aber ein breites Spektrum an Anliegen ab, darunter Bildung, betriebliche Ausgaben und Hilfe bei Naturkatastrophen. Über 50 Millionen Spender haben mehr als 9 Mrd. USD über GoFundMe gesammelt. Bemerkenswert ist, dass das Unternehmen per Bootstrapping aufgebaut wurde und bis 2015 keine venture capital-Finanzierung annahm. Das macht GoFundMe zu einer der erfolgreichsten Crowdfunding-Plattformen der Welt.
GoPro
GoPro wurde 2002 gegründet. Firmengründer Nick Woodman finanzierte das Unternehmen per Bootstrapping mit 200.000 USD aus eigenen Ersparnissen. Seither hat sich GoPro zu einer der bekanntesten Action-Kamera-Marken der Welt entwickelt. Outdoor-Fans und Sportler halten ihre Abenteuer mit den Produkten des Unternehmens fest. 2014 ging GoPro mit einer Bewertung von 3,5 Mrd. USD an die Börse, und Nick Woodmans 45-%-Anteil wurde zu einem Vermögen von über 1,5 Mrd. USD (eine Rendite von 750.000 %).
Zusammenfassung
Letztlich liegt es an Ihnen, ob Sie Ihr Unternehmen per Bootstrapping aufbauen oder externe Investoren suchen. Beide Wege haben ihre Vor- und Nachteile; entscheidend ist, was für Ihr Unternehmen am sinnvollsten ist. Bootstrapping kann die richtige Wahl sein, wenn Sie mit langsamerem Wachstum gut leben können und Ihr Unternehmen selbst finanzieren. Investoren zu suchen kann dagegen die bessere Option sein, wenn Sie schnell wachsen wollen und dafür externes Kapital brauchen. Am Ende bleibt die Entscheidung Ihnen und dem überlassen, was für Ihr Unternehmen am meisten Sinn ergibt. Welchen Weg Sie auch wählen, es gibt Unterstützung, die Ihnen zum Erfolg verhilft.
Warum Sie einen M&A-Berater hinzuziehen sollten
Wer ein Unternehmen per Bootstrapping aufbaut, stößt ohne externe Unterstützung oft an Grenzen, wenn es darum geht, zu skalieren oder das volle Potenzial zu heben. Ein M&A-Berater kann Ihnen helfen, viele der oben beschriebenen Hürden zu überwinden. Berater bringen wertvolle Branchenerfahrung, Marktkenntnis und ein Netzwerk potenzieller Käufer mit und unterstützen Sie dabei, Ihr Unternehmen für Wachstum oder einen optimalen Exit zu positionieren. Ebenso begleiten M&A-Berater Sie durch komplexe Verhandlungen und sorgen dafür, dass Sie den bestmöglichen Deal erzielen und den Wert Ihres Unternehmens maximieren.
Über Aventis Advisors
Aventis Advisors ist ein M&A-Berater für Technologie- und Wachstumsunternehmen. Wir glauben, dass die Welt mit weniger (aber qualitativ besseren) M&A-Deals besser dran wäre, die zum richtigen Zeitpunkt für das Unternehmen und seine Eigentümer abgeschlossen werden. Unser Ziel ist es, eine ehrliche, von Erkenntnissen geleitete Beratung zu bieten und unseren Kunden alle Optionen klar darzulegen - einschließlich der, den Status quo beizubehalten.
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