M&A in der Softwarebranche: über 39.000 Deals zwischen 2013 und dem 1. Halbjahr 2023

Software ist in der heutigen digitalen Welt von entscheidender Bedeutung. Das Wachstum von Softwarelösungen hat einen starken Anstieg der Software-M&A ausgelöst, mit über 39.000 abgeschlossenen Deals von 2013 bis zum 1. Halbjahr 2023.

Filip Drazdou
Veröffentlicht am 13. Juli 2023 · 9 Minuten Lesezeit · Auf LinkedIn vernetzen

In der heutigen, digital geprägten Welt kommt Software eine Schlüsselrolle zu: Sie formt Unternehmen, verändert ganze Branchen und revolutioniert, wie wir leben und arbeiten. Getrieben von Innovation, neuen Technologien und sich wandelnden Kundenbedürfnissen ist die Software-Branche exponentiell gewachsen. In diesem dynamischen Umfeld haben sich Fusionen und Übernahmen (M&A) zu einem strategischen Hebel entwickelt, mit dem Unternehmen ihre Marktposition stärken, ihr Angebot erweitern und das enorme Potenzial des Software-Sektors ausschöpfen.

Dieser Blogbeitrag untersucht, warum Softwareakteure M&A-Aktivitäten durchführenbetreiben. Anschließend beleuchten wir die M&A-Landschaft der Software-Branche und liefern eine eingehende Analyse der Trends bei Deal-Volumina, geografischer Verteilung, Bewertungsmultiplikatoren und weiteren wesentlichen Faktoren.

Warum betreiben Software-Unternehmen M&A?

Je nach Käufer werden Software-Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Gründen übernommen. Zu den typischen Beweggründen für die Übernahme eines Zielunternehmens in dieser Branche zählen:

  • Technologie, Produkte und Engineering-Talente hinzugewinnen, um die eigenen Fähigkeiten auszubauen und nach abgeschlossener Post-Merger-Integration operative Synergien zu heben.
  • Die Marktposition festigen, in neue Märkte expandieren und den Kundenstamm vergrößern, indem Unternehmen mit ergänzenden Produkten übernommen werden.
  • Ein breiteres Produkt- und Leistungsspektrum anbieten, indem Unternehmen in angrenzenden Bereichen übernommen und direkter Zugang zu wertvollem IP, patentierten Technologien und Urheberrechten gewonnen wird.
  • Weiterhin rasch wachsen, und zwar durch Zukäufe statt allein durch organisches Wachstum.
Tabelle der größten Software-M&A-Transaktionen nach Jahr, Käufer, Zielunternehmen und Land, einschließlich der Übernahme von Red Hat durch IBM für 28,6 Mrd. EUR bei dem 11,1-fachen des Umsatzes und dem 57,2-fachen des EBITDA. Quelle: Mergermarket.

M&A in Software: Überblick über die M&A-Landschaft

Um die M&A-Aktivität in der Branche umfassend zu erfassen, haben wir mehr als 39.000 globale Software-Transaktionen (M&A) von 2013 bis zum 1. Halbjahr 2023 ausgewertet. Unsere Analyse deckt mehrere Felder ab, darunter regionale Verschiebungen im Deal-Volumen, das Verhältnis von finanziellen zu strategischen Übernahmen, mediane Bewertungsmultiplikatoren und mehr.

Auch wenn das aktuelle Marktumfeld die Übernahmeaktivität vorübergehend dämpfen mag, deutet die anhaltende Innovation in Feldern wie Cloud Computing, Business Intelligence und Advanced Analytics darauf hin, dass sich der Tech-Sektor weiter dynamisch entwickelt. Da neue Technologien entstehen und transformative Geschäftsmodelle ermöglichen, dürfte das Dealmaking in der Software-Branche langfristig lebhaft bleiben.

Gesamte Dealvolumina

M&A-Transaktionen im Software-Markt wuchsen von 2013 bis 2021 mit beeindruckenden 17,7 % CAGR, wobei sich das Deal-Volumen von 1.681 auf 6.201 nahezu vervierfachte. Zu den wichtigsten Wachstumstreibern zählten die beschleunigte digitale Transformation, ein günstiges Marktumfeld mit reichlich Kapital, das wachsende Interesse von Finanzinvestoren und ein allgemeiner Anstieg der Zahl an Software-Produkten, insbesondere SaaS, und damit potenzieller Zielunternehmen.

Ganz immun gegen die 2022 einsetzende globale Konjunkturabkühlung blieb die Branche allerdings nicht. Angesichts steigender Zinsen, hoher Inflation, des Kriegs in der Ukraine und knapper Chips sank das Deal-Volumen um 25,5 % auf 4.618. Auch 2023 begann inmitten von Entlassungen in der Tech-Branche schwach, und im ersten und zweiten Quartal gingen die Deals weiter zurück.

Gesamtes Deal-Volumen in der Softwarebranche von 2013 bis 1H 2023

M&A-Aktivität nach Land

Wenig überraschend verzeichneten die USA zwischen 2013 und dem 1. Halbjahr 2023 die meisten Software-Fusionen und -Übernahmen, denn sie sind das dominierende Tech-Zentrum und Heimat großer Finanzinvestoren wie venture capital- und private equity-Firmen. Insgesamt kamen die USA auf 17.539 Deals, mit stetigem jährlichem Zuwachs bis zum Höchststand von 2.800 im Jahr 2021.

Als größte europäische Volkswirtschaften schnitten auch Großbritannien, Deutschland und Frankreich bemerkenswert gut ab und vereinten zusammen 53,6 % der europäischen Software-Übernahmen auf sich. Auch die nordischen Länder Schweden, Finnland, Dänemark und Norwegen stießen auf reges M&A-Interesse, mit insgesamt 1.881 Deals.

Daneben stachen auch China, Indien, Israel und Japan beim Deal-Volumen hervor, gestützt auf Spitzentechnologien und einen großen Talentpool.

Karte der Software-M&A-Transaktionszahlen nach Ländern. Quelle: Mergermarket.

Finanzielle vs. strategische Käufer

Übernahmen durch finanzielle Käufer wie venture capital- und private equity-Firmen nehmen seit 2016 stetig zu und machen seit 2020 fast die Hälfte aller Software-Deals aus. Finanzinvestoren haben aus mehreren zentralen Gründen einen ausgeprägten Appetit auf Tech- und Software-Unternehmen entwickelt, darunter:

  • Hohes Wachstumspotenzial: Software-Unternehmen lassen sich rasch skalieren, da sich ihre Produkte digital mühelos vervielfältigen lassen.
  • Kapitaleffizienz: Software-Unternehmen erfordern im Vergleich zu anderen Branchen relativ geringe Investitionen und liefern so besseren cash flow und höhere Kapitalrenditen.
  • Wiederkehrende Umsätze: Zielunternehmen mit einem Software-as-a-Service-Modell erwirtschaften planbare, wiederkehrende Umsätze und damit stabilere cash flows.
  • Bündelungs- und Upselling-Potenzial: Zusätzliche Produkte und Funktionen lassen sich bündeln und an den bestehenden Kundenstamm verkaufen, sodass Wachstum aus bestehenden Kundenbeziehungen entsteht.
  • Potenzial zur Disruption ganzer Branchen: Manche Unternehmen können traditionelle Branchen umwälzen und eröffnen damit exponentielle Wachstumschancen.
M&A in der Software: strategische vs. finanzgetriebene Akquisitionen

Da Nordamerika ein führendes Zentrum für Technologie und privates Kapital ist, überrascht es nicht, dass diese Region den höchsten Anteil finanzieller Übernahmen von Software-Unternehmen verzeichnete. Finanzielle Deals erreichten 2022 mit 54,8 % ihren Höchststand und gingen im ersten Halbjahr 2023 leicht auf 52,3 % zurück.

M&A in der Software: Finanzakquisitionen nach Region

Grenzüberschreitende Aktivität

Grenzüberschreitende Fusionen und Übernahmen machten von 2013 bis 2020 rund 32 % der globalen Software-Deals aus, ehe ihr Anteil 2021 auf 37,9 % sprang und 2022 mit 39,9 % gipfelte. Der leichte Zugang zu Kapital in dieser Zeit erlaubte es Käufern, grenzüberschreitende Ziele aggressiver zu verfolgen. Als sich das Marktumfeld Anfang 2023 jedoch eintrübte und der Tech-Sektor auf erheblichen Gegenwind stieß, sank die Neigung zu grenzüberschreitenden Deals auf 33,2 % und damit auf das Niveau vor der Pandemie.

Interessanterweise zeigten sich strategische Käufer in der Vergangenheit offener für grenzüberschreitende Deals als finanzielle Käufer. Von 2013 bis 2020 entfielen bei den strategischen Übernahmen weltweit rund 35 % der Deals auf grenzüberschreitende Transaktionen, während der entsprechende Anteil bei finanziellen Käufern um die 29 % pendelte. Eine Ausnahme bildeten die Jahre 2021 und 2022, als ein günstiges Marktumfeld die internationale Risikobereitschaft beider Käufergruppen vorübergehend beflügelte.

M&A in der Software: grenzüberschreitende vs. inländische Akquisitionen

Aktivste Käufer

Unter den weltweit aktivsten Käufern von Software-Unternehmen finden sich strategische Akteure ebenso wie finanzielle Käufer, wobei US-amerikanische Akteure die Spitzenränge beherrschen. Den ersten Platz belegte Insight Partners, eine führende venture capital- und private equity-Firma, mit 219 Deals im untersuchten Zeitraum. Auf Platz zwei folgte der norwegische Software-Konsolidierer Visma mit 171 Deals. Dicht dahinter lag Microsoft mit 152 Übernahmen, die den eigenen Technologie-Stack erweitern sollten. 

Beim medianen Deal-Wert lagen die private equity-Firmen Thoma Bravo und Vista Equity Partners vorn. Thoma Bravo tätigte seine größte Software-Übernahme 2022 mit dem Erwerb von Anaplan für 9,3 Mrd. EUR. Vista Equity Partners, ebenfalls eine private equity-Firma und für das Bündeln vertikaler Branchensoftware bekannt, übernahm 2022 den Steuerautomatisierungs-Anbieter Avalara für 8,6 Mrd. EUR, den größten Software-Deal des Hauses mit ausgewiesenem Wert.

M&A in der Software: aktivste Software-Käufer

M&A in Software: Überblick über die M&A-Finanzkennzahlen

Median-Dealwert

Von 2013 bis 2020 hielt sich der Medianwert von Software-Deals stabil bei rund 13 Mio. EUR. Das änderte sich in den Pandemiejahren 2021 und 2022, als leichte Finanzierungsbedingungen und optimistische Stimmung die medianen Deal-Werte vorübergehend nach oben trieben. Seither hat sich die mediane Deal-Größe jedoch wieder auf das historische Normalmaß von rund 14 Mio. EUR im ersten Halbjahr 2023 eingependelt. Die medianen Deal-Werte der Finanzinvestoren folgten zwischen 2013 und dem 1. Halbjahr 2023 weitgehend dem Gesamttrend und lagen in den meisten Jahren nahe am Median aller Software-Übernahmen.

Über den gesamten untersuchten Zeitraum setzten strategische Käufer durchweg größere mediane Deal-Größen um als finanzielle Käufer. In manchen Phasen war der Abstand erheblich, etwa 2013 und 2014, 2021 sowie im 1. Halbjahr 2023. In diesen Unterschieden zeigt sich womöglich die Bereitschaft, die strategische Käuferan den Tag legen, wenn sie höhere Bewertungen für Deals zahlen, die erhebliche Kostenersparnisse oder Synergien beim Umsatzwachstum versprechen.

Diagramm zum Medianwert von Software-M&A-Transaktionen in Millionen Euro, 2013 bis 1. Halbjahr 2023, aufgeteilt nach Finanz- und strategischen Käufern, im Bereich von 7,4 bis 32,5. Quelle: Mergermarket.

Median-Bewertungsmultiplikatoren

Sowohl die Umsatz- als auch die EBITDA-Multiplikatoren in Software-M&A-Transaktionen blieben über den untersuchten Zeitraum relativ stabil. Bis zum Rekordjahr 2021 bewegte sich der Umsatzmultiplikator um 3,5x und der EBITDA-Multiplikator um 15,0x. 2021 schnellten die Bewertungen bei fieberhafter Deal-Aktivität und ausgeprägter Risikofreude auf ein nie dagewesenes Niveau. Seither sind die Multiplikatoren jedoch deutlich zurückgekommen und liegen heute unter dem Niveau von vor der Pandemie.

Mediane Umsatz- und EBITDA-Multiplikatoren bei Software-Akquisitionen

Ausblick auf Software-M&A im 2. Halbjahr 2023

Eine erwartete Aufhellung der Marktstimmung dürfte in der zweiten Jahreshälfte 2023 zu einem moderaten Anstieg der Software-Deals führen. Der deutliche Rückgang der Marktkapitalisierung börsennotierter Software-Unternehmen im vergangenen Jahr dürfte deren M&A-Aktivität jedoch unter dem historischen Normalmaß halten. Auf dem Höhepunkt der Marktblase war es üblich, mit eigenen Aktien des Käufers zu bezahlen. Im heutigen Umfeld ist es dagegen schwieriger geworden, für M&A neue Aktien auszugeben und Verkäufer zur Annahme von Aktienzahlungen zu bewegen, weil die Unsicherheit über die künftige Entwicklung gestiegen ist. Hinzu kommt, dass strategische Investoren mit den Folgen pandemiebedingter Überinvestitionen kämpfen, was Übernahmevorhaben verzögern kann.

Zugleich haben Private-Equity-Investoren zwischen 2021 und 2022 erhebliches Kapital angesammelt, das bislang uninvestiert ist. Manche Finanzinvestoren sondieren Chancen am öffentlichen Markt (wie bei den jüngsten Take-Privates von Zendesk, Ping Identity und Citrix zu beobachten war), während andere die Übernahme privater Unternehmen anpeilen. Wir rechnen mit einer Fortsetzung des private equity-Dealmakings, wenn auch bei schärferer Prüfung von Geschäftsmodellen und Profitabilität. Da der einst prominente IPO als Exit-Weg an Tragfähigkeit einbüßt, dürften sich auch die anfänglichen Bewertungsmultiplikatoren für Übernahmen verändern.

Langfristiger M&A-Ausblick für die Software-Branche

Endet eine technologische Phase, beginnt die nächste. Dieser kommende Zyklus wird seine eigene Geschichte, seine eigenen Schlagworte und seine eigenen erfolgreichen Akteure hervorbringen. Ein wahrscheinlicher Treiber dieses Wandels ist der rasante Fortschritt der Künstlichen Intelligenz: Von OpenAI entwickelte Technologien haben ihren Nutzen und ihre Praxistauglichkeit im Alltag unter Beweis gestellt und könnten eine ganz neue Generation von Unternehmen hervorbringen, die auf diesen und weiteren innovativen Technologien aufbauen.

Auch wenn es eine ganze Weile dauern dürfte, wieder an die Höchstbewertungen von 2021 heranzureichen, wird das Interesse an neuen Technologien nie versiegen. Der Software-Sektor bleibt daher einer der angesehensten und höchstbewerteten Bereiche überhaupt.

Warum Sie einen Software-M&A-Berater brauchen

Die Beobachtung von Software-Bewertungen und M&A -Aktivität liefert wertvolle Einblicke in Markttrends und hilft Ihnen, den richtigen Zeitpunkt für Ihre Exit-Strategie zu treffen. Doch der Weg jedes Unternehmens und jedes Gründers ist einzigartig. Deshalb ist es entscheidend, den fachkundigen Rat von M&A-Profis zu suchen, insbesondere von solchen mit Spezialisierung auf Software.

Software-M&A-Berater verfügen über die Expertise, die Marktdynamik zu navigieren, Bewertungen einzuschätzen und alle erforderlichen Arbeitsstränge zu steuern. Während Sie sich auf die Führung Ihres Unternehmens konzentrieren, sorgen sie dafür, dass jedes Detail sorgfältig behandelt wird, und arbeiten auf den bestmöglichen Deal hin. Ihr Erfolg ist an Ihren geknüpft, und ihr Einfluss auf den endgültigen Verkaufspreis kann beträchtlich sein.

Über Aventis Advisors

Aventis Advisors ist ein M&A-Berater für Software-Unternehmen. Wir sind überzeugt, dass die Welt mit weniger (aber qualitativ besseren) M&A-Deals besser dran wäre, die zum richtigen Zeitpunkt für das Unternehmen und seine Eigentümer abgeschlossen werden. Unser Ziel ist eine ehrliche, erkenntnisgetriebene Beratung, die unseren Kunden alle Optionen klar darlegt, einschließlich der, den Status quo beizubehalten.

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Filip Drazdou - Director, Aventis Advisors

Filip Drazdou

Director

Als Director bei Aventis Advisors begleite ich mit Leidenschaft Gründer und Investoren bei M&A-Transaktionen, mit besonderem Fokus auf den Technologiesektor. Dabei arbeite ich mit Technologieführern aus aller Welt zusammen. Ich trage zur Tech-Community bei, indem ich Inhalte über Bewertungen in SaaS, Software und IT-Services teile.

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